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«Lernen ist
mein Hobby – ich
möchte mich
weiterentwickeln.»
Saliah Ahmadi
Name:
Saliah Ahmadi
Alter: 29
Lehrberuf:
Kau昀昀rau EBA
Lehrjahr: 2.
Wohnort:
Zürich
Hobby:
Lernen
Im August 2020 sind Sie als Flüchtling aus
Afghanistan in die Schweiz gekommen.
Was hat Sie dazu bewogen und wie war Ihr
Start in der Schweiz?
In Afghanistan dürfen sich Frauen nicht wei
terbilden. Mir ist Bildung aber sehr wichtig.
Deshalb habe ich mich zu diesem Schritt ent
schlossen. In der Schweiz habe ich einen Ort
gefunden, wo Frauen Rechte haben. Ich habe
einen Deutschkurs besucht und bin ein Jahr
lang ganztags an die Sekundarschule für Er
wachsene gegangen und habe die Abschluss
prüfung bestanden. Mit Hilfe eines Jobcoachs
habe ich per August 2024 eine Stelle an einer
Sprachschule gefunden.
Sie haben eine beschwerliche Flucht
hinter sich, sprechen bereits sehr gut
Deutsch, haben eine Arbeitsstelle
gefunden und das kaufmännische Attest
erworben. Jetzt starten Sie Ihre nächste
Ausbildung. Was ist Ihre besondere
Stärke?
Ich möchte mich immer weiterentwickeln und
weitermachen. Obwohl meine Situation an
ders ist, möchte ich nicht stillstehen. Ich bin
Lernende, Schülerin und alleinerziehende
Mutter. Deshalb muss ich neben der Berufs
schule und der Arbeit noch viel mehr erledi
gen als andere. Zum Beispiel Besprechungen
im Kindergarten oder Besuche beim Kinder
arzt.
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Es ist sehr beeindruckend, was Sie
in Ihrem Leben alles allein schultern.
Was gibt Ihnen dabei Kraft?
Diese Kraft habe ich aus meiner Heimat. Dort
bin ich mit grossen Herausforderungen wie
Unterdrückung und Krieg aufgewachsen und
habe diese bewältigt. In meinem Heimatland
habe ich als Frau keine Möglichkeiten und
Rechte gehabt. Obwohl ich es nicht einfach
habe, bin ich glücklich, in der Schweiz zu sein
und deshalb macht es mir nichts aus, meinen
Alltag zu organisieren. Ich habe viel Disziplin
und Organisationstalent. Lernen ist für mich
ein Hobby. Lernen motiviert mich.
Wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen und
Ihrem fünfjährigen Sohn Artin aus?
Ich stehe spätestens um 06:00 Uhr auf und
mache meinen Sohn und mich bereit. Um
06:50 Uhr bringe ich Artin zum Morgentisch im
Hort und fahre zur Arbeit oder ins BZZ. Die Zeit
unterwegs nutze ich immer zum Lernen. Ich
arbeite bis 17:00 Uhr in Winterthur. Die Schule
dauert unterschiedlich lang. Dann hole ich
meinen Sohn vom Hort ab. Zuhause putze ich
und koche etwas. Wenn mein Sohn im Bett ist
und schläft, lerne ich rund eine Stunde für die
Schule. Am Samstag begleite ich Artin ins
Fussballtraining oder zum Schwimmkurs und
lerne drei bis vier Stunden. Am Sonntag un
ternehme ich Aus昀氀üge mit Artin. Es ist mir
wichtig, Zeit mit ihm in der Natur zu verbringen
und mit ihm das Leben zu geniessen.
Sie haben am BZZ zuerst das EBA erworben
und machen weiter Richtung EFZ.
Was bedeutet Ihnen das?
Als Flüchtling trägt man das Gefühl in sich,
Menschen zu misstrauen. Zuerst konnte ich
fast nicht glauben, dass ich eine Lehrstelle
bekommen habe und bereits die erste Aus
bildung abschliessen konnte. Und jetzt geht
es mit der verkürzten EFZAusbildung weiter.
Für mich ist ein Traum wahr geworden und ich
bin der Schweiz sehr dankbar.
2025/2026 Jahresbericht BZZ